Schweren Herzens verabschiedeten wir uns von Portugal und fuhren wieder zurück nach Spanien. Wir hatten eine lange Fahrt vor uns, da wir uns dazu entschlossen hatten, erst in Spanien wieder auf irgendeine Autobahn aufzufahren. Nicht dass wir Deppen doch noch ohne „Bezahlzettel“ erwischt werden würden. Und ausserdem wollten wir unbedingt mehr von der Landschaft sehen. Also zuckelten wir gemütlich von Kaff zu Kaff und genossen die an uns vorbeiziehende „Mancha“… Wow, hier hat einst Don Quixote gegen Windmühlen gekämpft und seiner Rosinante so einiges abverlangt. Das Land lag trocken vor uns und die abgeernteten Felder leuchteten goldgelb. So muss es hier auch vor hunderten von Jahren ausgesehen haben.







Plötzlich fiel mir auf, wie gut mir diese Aussicht auf das sich vor mir ausbreitende Land tat. Und ich wusste auch gleich warum. Hier erinnerte mich alles an meine Seelenheimat Montana. Könnte ich nicht hier irgendwo auf einer der Oliven-Plantagen unterkommen? Dann dürfte ich sicher auch durch diese herrliche Landschaft spazieren. Naja, sollte ich mal nicht mehr nach Montana reisen können, werde ich mich wohl hier nach einer Urlaubsbleibe umschauen.
Irgendwann hielten wir an einer seltsamen kleinen „Raststätte“ an, um unser mitgebrachtes Mittagessen zu vertilgen. Der Parkplatzwächter kam auch gleich angelaufen und wollte unbedingt am Mahl teilhaben. Da der Serrano-Schinken aber zu salzig für ihn war und er die Melone dazu nicht wollte, musste er mit seinem eigenen Fresschen vorlieb nehmen, dass andere Reisende ihm mitgebracht hatten. Als er mitbekam, dass er von uns auch keinen Nachtisch zu erwarten hatte, legte er sich in den Schatten und täuschte ein Nickerchen vor. Tatsächlich aber lag er auf der Lauer!! Es könnte ja doch was für ihn übrig bleiben. Als daraus aber auch nichts wurde, beschloss er, sich auf einem Baumstumpf in der Nähe niederzulassen und seine Männlichkeit protzig in die Sonne zu hängen…



Fast tat es mir ein wenig leid, den Kater da zurücklassen zu müssen. Aber eigentlich ging’s ihm da ja gut! Die Leute, die hier durchkamen, schienen ihn zu kennen, denn sie brachten alle Katzenfutter für ihn mit.
Also packten wir unsere Habseligkeiten wieder zusammen und fuhren weiter Richtung Norden.

In Salamanca kamen wir schon wieder erst im Dunkeln an, sodass nicht viel zu sehen war. Wir hatten hier nur eine Nacht gebucht, da wir am nächsten Tag schon früh weiter wollten, um San Sebastián noch bei Tageslicht zu erreichen. Trotzdem liessen wir es uns nicht nehmen, noch einen netten Abendspaziergang durch die schöne Altstadt zu unternehmen und natürlich noch ein leckeres Abendessen zu geniessen. Und hier fand ich doch tatsächlich den besten Pulpo ever!!! Mitten im Landesinneren, kein Meer weit und breit: aber der gegrillte Tintenfisch war der beste den ich je gegessen hatte.



Am Nachmittag des folgenden Tages kamen wir dann müde und etwas genervt in San Sebastián an. Und obwohl ich schon soviel über diese Stadt gehört hatte und alle nur ganz begeistert über sie sprachen, fühlte ich mich hier einfach nicht wohl. Schon auf dem Weg hierher begann ich mich irgendwie fehl am Platz zu fühlen. Sobald wir die Grenze zum Baskenland hinter uns gelassen hatten, schlug uns eine Feindseligkeit entgegen, die uns beinahe dazu veranlasst hätte, schleunigst wieder umzukehren. Die Landschaft wirkt hier düster und für mich wenig attraktiv, da man durch tiefe dunkle Täler fährt und die steil aufsteigenden Berghänge eine klaustrophobische Enge erzeugen. Der Baustil gleicht den billigen Plattenbauten im Osten Europas und wirkt auch eher abweisend als einladend. Aber das schlimmste waren die Menschen hier. Unfreundlich, mürrisch, fast schon aggressiv waren alle, mit denen wir irgendwie unterwegs zu tun bekamen.
Hätten wir nicht schon eine Übernachtung in San Sebastián gebucht gehabt, wären wir wohl einfach weiter gefahren und hätten uns was nettes in Südfrankreich gesucht. Aber so kämpften wir uns durch das grässliche Strassengewirr zu unserer Wohnung ganz in der Nähe der Altstadt. Endlich angekommen, wurden wir von einer äusserst netten Gastgeberin in Empfang genommen. Und die Wohnung war tatsächlich ein Kleinod und super gut gelegen. Dennoch, hier komm ich bestimmt nie wieder her. Ich kann nicht verstehen, wie der gesamte europäische Hochadel, sämtliche Berühmtheiten, alle Reichen und Schönen diesen Ort je zu ihrer Sommerresidenz, ihrem Seebad der High Society machen konnten. Wer kann sich denn hier wohl fühlen? Graubraune Häuserschluchten, grässliche fantasielose Bauten, mit Steinquadern verschandelte Küstenstreifen, die unfreundlichsten Menschen der Welt und alles masslos überteuert… Wem bloss gefällt sowas?
Trotzdem haben wir uns pflichtschuldigst auf einen Spaziergang rund um die Halbinsel und dann durch die Altstadt gemacht. Und obwohl ich nicht die geringste Lust verspürte, all die Hässlichkeit hier zu fotografieren, fand ich doch den einen oder anderen Anblick ganz passabel. Und wenn ich mir die Fotos nachträglich so anschaue, muss ich gestehen, dass zumindest auf den Bildern schon schöne Ecken zu erkennen sind.












































Als es dann langsam dunkel wurde und überall die Lichter angingen, sah die Stadt dann doch ganz nett aus. Aber an der Atmosphäre änderte sich nichts. Wir assen in einer völlig überteuerten Kneipe unsere letzten spanischen Garnelen. Die schmeckten zwar recht lecker, aber mit Garnelen kann man ja auch nichts falsch machen. Worüber ich hier allerdings doch sehr ins Staunen geriet waren die Unmengen an Pintxos (die hiesigen Tapas), welche hier ab ca. 18.00 Uhr in jeder Bar aufgebaut wurden und die Theken unter ihrer Last erzittern liessen. Wunderbar und äusserst verlockend sah das aus. Aber leider scheinen die jede einzelne Leckerei auf einem Stück Brot aufspiessen zu müssen, was sie für mich ungeniessbar machen. Schade… da hätte ich doch gerne auch noch mitprobiert….
Vollbeladen mit lauter Delikatessen aus einem Spezialitäten-Shop machten wir uns schliesslich auf den Weg in unser Nachtquartier. Nun hiess es zum letzten Mal Kofferpacken, denn morgen würden wir unsere Heimreise antreten. Und zum ersten Mal seit sehr langer Zeit, freute ich mich darauf, wieder nach Hause zu kommen…

