Gyeongju – Hauptstadt des Silla-Reiches

Für heute hatte ich mir einen Guide gebucht, der mich nach Gyeongju kutschieren und mir dort die ziemlich weit auseinanderliegenden historischen Überbleibsel aus der Zeit des Silla-Königreiches (57 v.Chr. – 935 n. Chr.) zeigen sollte. Schon eine Viertelstunde vor Abfahrt erhielt ich von ihr eine Nachricht, dass sie unten auf mich wartete. Der Guide war eine ältere sehr nette und gesprächige Dame namens Kim.

Sie wusste tatsächlich auf jede meiner Fragen eine Antwort und schien sich darüber zu freuen, ihr Wissen weitergeben zu können. Schon auf der fast zweistündigen Hinfahrt nach Gyeongju begann ich, immer tiefer in die Vergangenheit zu versinken.

Genauso hatte ich mir die Landschaft Südkoreas vorgestellt, und nun stand ich da endlich mittendrin.

Unser erster Halt galt dem Grab von König Wonseong, dem 38. Silla-König. Er wurde, wie es dazumal üblich war, in einem sogenannten Tumulus beigesetzt. Diese Hügelgräber waren natürlich nur den Hochwohlgeborenen vorbehalten, sonst gäbe es wohl ausser Grabhügel in Korea nichts mehr zu bestaunen. Mit der Ankunft des Buddhismus in Korea hat sich dann aber auch das Beisetzungsritual verändert und die Menschen inklusive ihrer Könige sind kremiert worden.

Interessanterweise sieht einer der Grabwächter so gar nicht koreanisch aus. Eher iranisch oder so ähnlich mit seinem Rauschebart und den runden Augen… Kim erklärte mir, dass schon damals reger Tauschhandel zwischen den Persern und dem Silla-Reich stattgefunden hatte. Daher rühren wohl auch die für Korea fremdländischen Gesichter einiger Statuen und Bildnisse…

Seokguram-Grotto

In diesem Höhlentempel gibt es eine der schönsten Buddha-Figuren zu bestaunen. Früher war die Höhle nach vorne hin offen, sodass die Buddha-Statue schon von weitem sichtbar war. Zum Schutz der Statue und der Höhle wurde jedoch ein Vorraum davor gebaut. Heute ist also nur dieser Vorbau vor dem Höhlenhügel von aussen zu sehen.

Bulguksa-Tempel

Leider stammen nur die Grundrisse noch aus der Silla-Zeit. Die meisten Gebäude wurden alle während der Japanischen Invasionen niedergebrannt, und die heutige Tempelanlage wurde nach Jahren der Ausgrabungsarbeiten und Rekonstruktionen wieder im ursprünglichen Stil aufgebaut. Trotzdem strahlt die ganze Anlage eine erhabene, ergreifende Kraft aus, die mich unwillkürlich in ihren Bann zog Fast so wie die Mesquita-Catedral in Cordoba und das trotz der vielen Touristen, welche diesen wunderschönen Tempel besuchen.

Hier am Eingang zur Tempelanlage muss man einige grimmige Wächter passieren. Und nur wer reinen Herzens ist, darf rein. Alle anderen werden verjagt! Kim meinte, ich dürfe rein… hahaha… ja klar…

Dann durften wir durch einen herrlichen kleinen Tempelgarten spazieren, der mir unglaublich gefallen hat. Ein ganz kleines bisschen japanisch angehaucht, aber weitestgehend natürlich gewachsen, strahlt dieser kleine Park eine unglaubliche Ruhe und zugleich eine unbändige Energie aus. Am liebsten hätte ich mich hier irgendwo hingesetzt und wäre hier geblieben. Die akkurate Maniküre, welche die Japaner ihren auch sehr hübschen Gärten angedeihen lassen, fehlte mir hier überhaupt nicht. So musste es sein! Der sowieso perfekten Natur nur einen Rahmen zu geben, reicht völlig.

Und dann hiess es wieder endlos Treppen steigen. Ach hätt ich doch bloss ein wenig mehr trainiert für diese ungewohnten Kraftakte…

Yayyyy! Und endlich kam ich zu einem meiner sonst so üblichen Reisehighlights! Kim fragte sich in einem für Sundubu-Jiggae (Tofu-Eintopf) spezialisierten Restaurant durch, um mir einen einigermassen glutenfreien Hochgenuss bieten zu können. Mein Sundubu-Jiggae war ohne Soja-Sauce und ohne scharfe Chillipaste angerichtet, was leider nicht sehr erhebend schmeckte. Aber ich bekam Salz dazu und vom Kimchi-Jiggae durfte ich essen. Und auch einige Beilagen waren sicher für mich, also legte ich los! Oh wie ich diese Art Essen liebe. Ein bisschen hiervon, ein wenig von dem da, dann wieder was anderes. Mit jedem Bissen den Gaumen kitzeln. Wow! Ein wahrer Hochgenuss! Ich muss mir hier unbedingt ein Kochbuch der Koreanischen Küche kaufen.

Tumuli-Park

Nach dem herrlichen Mittagessen, ging’s noch zur königlichen Gräberanlage, dem Tumuli-Park. Immer wieder musste ich an die Grabhügel der Ureinwohner Nordamerikas denken. Auch dort wurde zu prähistorischen Zeiten diese Art der Beisetzung höherrangiger Zeitgenossen angewendet. Kim meinte, ja das wären damals eh Koreaner gewesen, welche über die Bering-Strasse nach Amerika gewandert wären und dort die USA besiedelt hätten. Wie auch immer! Ich finde es äusserst faszinierend wie die ganze Welt, das gesamte Universum immer wieder zeigt, wie alles stets zusammenhängt. Alles ist eins! Immer und überall!

Oh und dann liess mich Kim allein, um ihr Auto zu holen. Ha! jetzt gab’s kein Halten mehr. Ich hatte nämlich schon von weitem ein Pink-Muhly-Feld gesehen. Da musste ich hin. Und sorry, aber ich konnte nicht mehr aufhören zu fotografieren. Wenn’s Euch zu pink wird, einfach weiterscrollen…

Woljeonggyo Brücke

Hier versuchte Kim einfach dran vorbeizufahren, weil sie unbedingt vor Staubeginn wieder in Busan sein wollte. Kann ich ja verstehen, aber wenigstens ein paar Fotos wollte ich machen können von dieser wunderschönen Brücke…

So, erledigt. Jetzt durfte sie mich wieder zurück nach Busan fahren. Und kurz vor 18.00 Uhr kamen wir da auch wieder an. Es war ein interessanter Tag und ich hätte ohne Guide nie soviel sehen können. Trotzdem geh ich lieber auf eigene Faust auf Entdeckungsreisen. Ich lass mich gerne treiben, immer der eigenen Nase nach… Und es ist mir heute auch egal, wenn ich mich verlaufe. Denn heute gibt’s ja alle möglichen Navi-Apps, welche einen zur Not immer wieder auf den richtigen Weg zurückbringen.

Also werde ich mich morgen wieder einfach treiben lassen…

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