Dass das unberechenbare Wetter Montanas sich ausgerechnet zu Beginn meines Aufenthaltes hier so richtig austoben musste, kam mir eigentlich sehr gelegen. So brauchte ich keine Ausreden zu erfinden, warum ich mich nicht gleich auf Erkundungstour machte sondern erst einmal einfach nur in meinem neuen Heim blieb und das voll und ganz auskostete.
Nachdem feststand, dass ich endlich wieder zurück in die Prairie kommen würde, machte ich mich auf Airbnb auf die Suche nach meinem perfekten Feriendomizil. Tatsächlich musste ich nicht lange suchen, die Little Box on the Prairie befand sich gleich unter den ersten Vorschlägen. Sofort habe ich mich in die Fotos und die Vorstellung von mir an diesem Ort verliebt. Genau dort wollte ich hin! Und genau da bin ich jetzt.

Der Besitzer dieses Kleinods mitten im Nirgendwo von Montanas Prärie heisst Ty, ist Künstler und Designer und hat aus zwei nebeneinander gestellten Shipping Containern seine Little Box on the Prairie gebaut. Innen erwartete mich jeder erdenkliche Luxus, verteilt auf Schlafzimmer, Küche mit Insel und Wohnzimmer. Sogar ein raffiniert untergebrachtes Badezimmer findet Platz. Hier würde ich mich sehr wohl fühlen, das wusste ich schon beim Anblick der Bilder, und als ich das Häuschen betrat, fand ich meine Vorahnungen mehr als bestätigt. Dieser Ort ist ein Traum. Innen und aussen…
An meinem ersten Morgen in der Prärie wachte ich um 04.30 auf und war hin und weg von dem fantastischen Ausblick, der sich mir von meinem kuschligen Bett aus bot, als ich die Augen aufschlug:

Obwohl ich noch überhaupt nicht ausgeschlafen war, musste ich da gleich hinaus auf’s Holzdeck, das rund um das Häuschen herumführt. Und weil hier niemand ist, der mich sehen kann, trat ich im Pyjama in die ziemlich knackig kalte Morgenluft der Prärie hinaus…



Und nach ein paar weiteren Stunden Schlaf und einer deftigen Quesadilla mit Pico de Gallo und Guacamole zum Frühstück…

…machte ich mich auf, meinen neuen „Vorgarten“ zu erkunden. Laut Ty durfte ich hier einfach herumwandern, wie’s mir gerade gefiel. Es gibt keine Grenzen und keine Regeln. Na dann los… Genau danach hatte ich mich gesehnt…

Ich spazierte mit der Kamera bewaffnet einfach drauflos, warf aber immer wieder einen Blick zurück, um mich zu orientieren. Ich wollte sicher sein, wieder „nach Hause“ finden zu können. Meine hübsche kleine Prärie-Box war dann auch schnell verschwunden, und rund um mich herum breitete sich die Weite der Prärie aus.



Oh herrlich…. ein unbändiges Glücksgefühl erfüllte mich. Wieder spürte ich, wie meine Seele zerfloss und sich in dieser grenzenlosen Weite ausbreitete. Genau wie vor zweieinhalb Jahren, als ich das erste Mal über die sanft dahinrollenden Hügel der Prärie blicken durfte.


Und heute durfte ich mich sogar frei darin bewegen. Ich musste weder auf Strassen noch auf Wegen bleiben. Ich durfte einfach durch die unberührt wirkende Landschaft streifen. Natürlich traf ich auf Zäune, welche das weidende Vieh davor abhielt, vom leckeren Gras des Nachbarn zu naschen. Und natürlich waren da vom Menschen gemachte Wege, welche es den Farmern erlaubte zu ihren Herden zu gelangen und das Land zu bewirtschaften. Aber sowohl die Zäune als auch die Wege nutzte ich lediglich als Fotomotiv, überquerte beide und ignorierte ansonsten diese Zeichen der Zivilisation.






Weiter und weiter durchstreifte ich die unendlich scheinende Prärie. Nach einer Weile fiel mir ein Pfeifen auf, das in kurzen Intervallen aus immer wieder wechselnden Richtungen ertönte. Mir kam das irgendwie bekannt vor. Habe ich nicht eben erst auf National Geographic eine Sendung über Präriehunde gesehen? Dort machten die doch genau so einen Aufstand, sobald der Feind im Anzug war. Also das war zwar bei den Präriehunden, die ich das letzte Mal besucht hatte, überhaupt nicht so. Aber vielleicht sahen die damals in mir auch nicht den bösen Feind.
Dann glaubte ich plötzlich aus den Augenwinkeln eine Bewegung auszumachen. Als ich aber hinschaute, war da nichts. Nur ein kleiner Hügel aufgeworfener Erde war zu sehen, und daneben vermutlich der Eingang zum weitverzweigten Höhlensystem dieses Präriehundedorfes. Obwohl ich nichts erkennen konnte, machte ich trotzdem ein Foto von dem Flecken, wo ich vorhin eben noch eine Bewegung wahrzunehmen geglaubt hatte.

Und siehe da, als ich das Foto zuhause vergrösserte lugte da doch tatsächlich ein Prairie Dog zwischen Gräsern hervor.

Ich spazierte weiter und weiter, immer begleitet von den Warnpfiffen dieser kleinen flinken Gesellen. Gesehen habe ich aber keinen mehr. Dafür traf ich später auf zwei wild diskutierende Kanada-Gänse. Vermutlich stritten sie sich über den Nestbau oder sonstige häusliche Angelegenheiten. Jedenfalls waren die zwei mit Sicherheit ein Ehepärchen, denn sonst würden sie sich nicht alleine hier aufhalten sondern mit der gesamten Schar umherziehen, zu der sie sich nach der Brutzeit wieder gesellen würden.


Die beiden tröteten so ohrenbetäubend und ohne Unterlass miteinander um die Wette, dass sie mich überhaupt nicht bemerkten. Nur die in der Nähe weidenden Rinder beglotzten mich verdutzt, liessen mich aber unbehelligt meiner Wege gehen.









Ich machte absichtlich einen grossen Bogen um die Tiere, da ich die Kälbchen im Gras liegen gesehen habe und mir dachte, bloss nicht die Mamis reizen. Bei uns in der Schweiz ist schon die eine oder andere Kuh auf Wanderer los gegangen, weil sie ihre Jungmannschaft bedroht glaubte. Mehr als mich begucken taten die Rindviecher aber nicht, und Ty hatte mir auch versichert, dass mich die Tiere in Ruhe lassen würden, und so spazierte ich entspannt weiter.














Irgendwann begann jedoch der Hunger an mir zu nagen, und ich lenkte meine Schritte wieder in Richtung Präriebox.


Beseelt von den eben genossenen Ausblicken, machte ich mich daran, mein Abendessen zuzubereiten. Heute gab’s Hähnchenschenkel mit viel Salat und selbstverständlich einem herrlichen Glas Chardonnay dazu. Das köstliche Mahl wurde von einer dramatischen Lichtshow begleitet, wie ich sie noch nirgends sonst erlebt habe.






Es wirkte beinahe so, als ob das Licht des Tages noch einmal alle Register zog, bevor es das Regime an die Sterne abgab…


Hallo Eva
Wow isch das schön dört, und die Bilder sooo super.
Ich wünsch dir ganz ganz tolli Ferie und me merkt richtig, wie du in dinere Wält bisch :).
Ich freu mi scho wieder uf dr nöchsti Bricht mit dene wunderbare Bilder.
Liebi Griessli vo dr Martha
Martha, Du hesch total rächt! Do bini wirklich völlig in minere Wält. Ich wünschti i könnt immer do bliebe. Liebi Grüessli, Eva
Whoua wunderschöne bilder geniess es ??
Danggschön Valérie, das mach i ??
Oh Gott, ich bin hin und weg und möchte auf der Stelle mit auf Entdeckungsreisen. Ich kann mir sehr gut vorstellen wie wohl eine solche Umgebung der Seele tut und wie erholsam das ist. Ich freue mich schon auf den nächsten Bericht…
Liebe Grüsse
Maria