Weihnachtliche Grüsse aus Amsterdam

Von Pot-Gestank und Kettengerassel…

Ein spontaner City-Trip am vergangenen Sonntag nach Amsterdam erlaubt mir jetzt, Euch diese verrückte aber faszinierende Stadt näher zu bringen. Ganz erstaunt war ich, als ich um ca. 09.00 Uhr morgens aus dem Zug vom Flughafen ins Zentrum ausstieg und die Stadt immer noch im Dunkeln vorfand. Nur langsam scheint sich hier der Tag zu dieser Jahreszeit aus den Federn zu kämpfen. Es war auch noch kaum jemand unterwegs, sodass ich in aller Ruhe die ersten Eindrücke auf mich wirken lassen konnte.

So wirklich hell sollte es heute wohl nicht mehr werden, da der Himmel über Amsterdam mit düster dreinblickenden Wolken verhangen war und es pausenlos regnen liess. Nichtsdestotrotz vermag Hollands Hauptstadt zu gefallen und in weihnachtlichem Glanz zu erstrahlen. Und so liess ich mich vergnügt durch die Strassen und den hübschen Grachten entlang treiben. Belustigt fand ich schnell alle Klischees Amsterdams bestätigt. Fahrräder so weit das Auge reicht, Coffee-Shops an jeder Ecke (warum die diese Pot-Höhlen so nennen, weiss ich allerdings immer noch nicht), Rotlicht-Meilen mit 24h-Betrieb, Käse in allen Formen und Grössen, und sogar Tulpen sind hier mitten im Winter überall zu finden. All das gibt’s hier wirklich und bettelt den Touristen sowie den Einheimischen gleichermassen um Aufmerksamkeit an.

Auf dem Dam angekommen lockte ein Besuch bei Königs, da das Wetter immer mieser wurde und ich so der nassen Kälte da draussen für eine Weile entkommen konnte. Im Königlichen Palast hält sich die Royal Family allerdings nur selten auf, was all den Schaulustigen für stolze EUR 10.– die Möglichkeit eröffnet, einmal einen Blick hinter die Kulissen der prächtigen Show zu werfen. Ich bin ja nun wirklich kein Fan von Glanz und Gloria aber auch mal über die marmornen Treppen und durch die prunkvollen Gänge, Hallen und Räumlichkeiten schreiten zu dürfen, wo seit Jahrhunderten die Herrscher dieser Welt ein- und ausgehen, ist schon ein ganz besonders eindrückliches Erlebnis.


Nach dem obigen königlichen Blick hinaus auf den Dam, war dann der Rundgang durch die mittlerweile wunderbar kuschelig beheizten heiligen Hallen beendet, und es ging weiter durch den Regen zu einer für mich um einiges interessanteren Attraktion Amsterdams.

Kurz bevor das mittägliche Ziel erreicht war, stutzte ich allerdings ob diesem seltsamen Verbotsschild. Ist denn hier in Amsterdam nicht eigentlich alles erlaubt, was in der braven Schweiz noch quasi unter Todesstrafe steht? Die Leute hier dürfen sich in aller Öffentlichkeit zu Tode kiffen, aber saufen dürfen sie nicht?

Tja also mich soll’s nicht weiter kümmern… denn ich hatte vor, mich im Kellergewölbe einer Käserei mit allerleckerstem Käse vollzustopfen und die besten Tropfen dazu zu geniessen.

Hier in der Reypenaer Käserei gibt’s eine hervorragende Käsedegustation zu buchen, die man sich nicht entgehen lassen sollte. Jedenfalls nicht, wenn man so verrückt nach Käse ist wie ich. Ich hatte keine Ahnung, dass es in Holland ausser dem super langweiligen Gouda tatsächlich noch „richtigen“ Käse gibt. Hier wurde ich nun also von einem Thai im giftgrünen Elfenkostüm eines Besseren belehrt.

Gefühlte 10 kg Käse und 3 Gläser Wein später kletterte ich vollgefressen und ziemlich schwerfällig wieder die Kellertreppe hinauf in den Verkaufsraum des Käseparadieses. Aber noch hatte ich nicht genug, denn ich konnte es nicht lassen, mich noch reichlich mit Mitbringseln für Zuhause einzudecken. Wow! Was für herrlichen Käse Holland doch zu bieten hat. Den Besuch der Reypenaer Käse-Degustation kann ich nur wärmstens weiterempfehlen.

Jetzt hiess es also, die angefressenen Pfunde wieder runterzutippeln. Und das macht hier trotz Regen und ziemlich kühlen Temperaturen richtig viel Spass! An jeder Ecke gibt’s was Interessantes zu sehen oder eine noch nicht bekannte Leckerei zu entdecken.

Und dann war der wunderschöne Tag in Amsterdam auch schon wieder vorbei. Um 16.30 Uhr war’s bereits wieder stockdunkel und ich machte mich zufrieden und erfüllt von all den Eindrücken auf den Weg zurück zum Flughafen.

Was für eine spezielle Stadt! Zwei Dinge werde ich wohl nie vergessen: erstens der penetrante Gestank nach Cannabis, der durch die gesamte Stadt weht, denn die Leute beschränken das Rauchen desselbigen nicht auf die ohnehin unzählig vorhandenen und dafür vorgesehenen Coffee-Shops, sondern frönen ihrem Laster immer und überall; und zweitens das Kettengerassel, ausgelöst durch die vielen Fahrrad-Fahrer, welche alle ihre mehr oder minder wertvollen Drahtesel mit Ketten und Vorhängeschlössern an Brückengeländern, Strassenlaternen oder sonstigen dafür geeigneten Vorrichtungen sichern, um den fahrbaren Untersatz nur ja wieder bei der Rückkehr heil vorzufinden.

Ach und den Käse werd ich wohl auch nicht so schnell vergessen. Hab ich mir doch ein paar ansehnliche Stücke mit nach Hause gebracht…


1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Wow sin das wieder tolli Bilder :)….genial Eva. Das wär mol sehenswärt, scho wägem Käs :).
    Ha grad Lust biko, hmmm.
    Finds mega toll die viele Velos, do würd ich gärn mol umefahre…
    Aber de Cannabis-Gstank, huäää, das isch denn gruselig…

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